Kranichzug

Der Kranich ist in Deutschland wohl einer der bekanntesten Zugvogelarten. Neben seinem charakteristischen Aussehen beeindruckt vor allem sein einzigartiger Gesang. Zweimal im Jahr können Vogelfreunde die „Vögel des Glücks“ beim Rasten oder Balzen beobachten. Im Frühjahr kehren die Vögel aus ihren südlichen Winterquartieren zurück und verbringen die Brutsaison in unseren Regionen oder anderen Brutgebieten im Norden Europas. Im Herbst hingegen sammeln sich die Tiere auf frisch gemähten Getreidefeldern für eine letzte größere Rast und brechen dann gemeinsam in Richtung Süden auf. Dabei nutzen sie immer wieder zwei feste Flugrouten (östliche und westliche).

Der Vogel des Jahres 1978 wird aktuell in Deutschland nicht mehr als gefährdet eingestuft, dennoch ist das Betreten der Brutgebiete sowie Nahrungs- und Sammelplätze nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten. Die Populationen sollen sich weiterhin stabilisieren können. Dieser Schutzstatus reicht über Indien, Iran bis nach China und Russland. Erschreckenderweise gibt es entlang der östlichen Flugroute Ausnahmen für forst- und landwirtschaftliche sowie jagdliche Aktivitäten. Auf dem westeuropäischen Zugweg hingegen sind unter Schutz gestellte Habitate eingerichtet worden und eindeutige gesetzliche Bestimmungen vorhanden. Trotz allem sind die Lebensräume der Kraniche, wie unterschiedliche Feuchtgebiete und isolierte Brutgebiete, noch immer durch Entwässerung, Überschwemmung oder Verstädterung stark gefährdet.

Kranichzug im Frühjahr

Der Frühling naht und wie bei anderen Zugvogelarten kehren auch die Kraniche zurück in ihre Brutgebiete. Schon Ende Februar/Anfang März kehren die ersten Zugvögel nach Deutschland zurück. Aus Frankreich kommend fliegen mehrere Tausend Tiere bei günstigem Wetter über die westliche Route via Moseltal, Eifel, Bonn, Ruhrgebiet und Weserbergland in Richtung Norden in die vorpommersche Boddenlandschaft und noch weiter nach Skandinavien, Polen oder in die baltischen Staaten und Weißrussland. Eine Alternativroute für die Kraniche stellt auch gern die Strecke vom Saarland, Rheinland-Pfalz über Frankfurt am Main und den Taunus nach Norden dar.

Balzsaison

Wieder in den Brutrevieren gelandet, beginnt schon bald die Balzsaison. Normalerweise leben Kraniche ein Leben lang monogam und wechseln nur sehr selten den Partner. Eine besonders intensive Balzphase, wie bei anderen nicht-monogamen Zugvögeln bekannt, gibt es bei Kranichen in dem Sinne nicht. Dennoch kann jährlich vor Brutbeginn ein einzigartiges Schauspiel beobachtet werden. Der Kranichtanz findet das ganze Jahr über statt, ist aber im Frühling am intensivsten. Besonders noch junge Paare üben dieses Ritual sehr intensiv aus. Im März zur Paarung findet die Häufigkeit und Heftigkeit ihren Höhepunkt und flacht mit dem Nestbau und der Eiablage gänzlich ab. Ausgiebige gegenseitige Gefiederpflege und ein Duettgesang fördern die Paarbindung zusätzlich. Nur das Duett, der Paarruf, als Zeichen der Zusammengehörigkeit, ist während der restlichen Brutzeit weiterhin zu hören.

Brutplatzwahl

Die Wahl des Brutplatzes will gut durchdacht sein. Als Bodenbrüter sind die Eier vielen Gefahren ausgesetzt. Zumeist werden Plätze in Wassernähe mit einer Deckungsmöglichkeit bevorzugt. Häufig sind dies kleine Inseln. Der Kranich achtet dabei auf nicht zu geringe Wassertiefen und nimmt sogar in Kauf zum Nest zu schwimmen oder fliegen zu müssen. Besonders wichtig beim Brüten ist Beobachtungen zufolge eine freie Sicht auf die Umgebung des Nestes.

In das Nest werden von beiden Partnern Schilf, Röhricht, Binsen und Riedgräser sowie anderes Pflanzenmaterial verarbeitet. Dieses suchen die Tiere in ihrer unmittelbaren Umgebung. Mit einem Durchmesser von etwa einem Meter erscheint das Nest nicht sehr stabil. Deshalb muss es während der Brutphase ständig ausgebaut und erneuert werden.

Mit einem Aufruf des NABUs kann den in Deutschland gefährdeten Kranichen geholfen werden. Weitere Information finden Sie dazu unter www.nabu.de/spenden-und-mitmachen/spenden/23145.html?gclid=EAIaIQobChMIjq6B0bS-2AIVS7obCh2bDQIBEAAYASAAEgJ0-vD_BwE.

Der Kranichzug im Herbst

Im Herbst ist es wieder soweit. Mit abnehmenden Temperaturen und kürzer werdenden Tagen bereiten sich unsere einheimischen Zugvögel auf ihren Flug in ihr jährliches Winterquartier vor. Der Graue Kranich (Grus grus) bildet da keine Ausnahme. Mit seinem grazilen Flug und seiner lautstarken Untermalung ist der Kranichzug eine beeindruckende Herbstimpression. Viele Naturschutzorganisationen bieten in dieser Zeit (September bis Anfang November) themengebundene Führungen an.

Sammeln zur gemeinsamen Rast

Während des Kranichzuges sammeln sich die Tiere an Gewässern und auf Stoppelfeldern, um sich ein letztes Mal vor ihrem langen Flug zu stärken. Frisch gemähte Getreidefelder bieten dabei immer wieder neue Nahrungsflächen. Ansammlungen von 50 bis 100 Tieren werden im Spätsommer immer häufiger und vielerorts beobachtet. Beliebte Sammel- und Rastplätze hingegen erreichen sogar eine Größenordnung weit über 1.000 bis zu 40.000 Individuen.

Kranichzug im Oktober

Im Oktober rasten die Vögel noch etwas, bis sie gestärkt dann die Abschlussroute in ihr Winterquartier beginnen. Auf der Halbinsel Darß-Zingst können in dieser Zeit Rekordzahlen von 70.000 Tieren beobachtet werden. Dabei handelt es sich vor allem um Kraniche aus Skandinavien, denen sich Tiere aus Osteuropa anschließen. Bis in den November hinein kann sich die Rastphase hinziehen, insofern das Wetter und damit die Futterverfügbarkeit weiterhin gegeben sind. Eine Privataufnahme von Anfang September zeigt den Einflug der Kraniche auf ein Feld im Tarbeker Moor:

Zwei Flugrouten in den Süden

Je nach Lage ihrer Brutgebiete ziehen Kraniche in unterschiedlichen Haupt-Flugrouten. Ende August stoßen zu unseren einheimischen Populationen die aus Skandinavien kommenden Kraniche dazu. Diese Gruppen der Westeuropäischen Kraniche ziehen zwischen Mitte August und Mitte Oktober weiter westwärts nach Frankreich, um von dort quer durchs Land weiter nach Süden zu fliegen. Die baltisch-ungarischen Kraniche hingegen ziehen südwärts über die Ungarische Tiefebene. Von dort teilen sich die Gruppen wiederum auf und ein Teil fliegt weiter ostwärts über Ägypten bis zu ihrem Winterquartier am Roten Meer und der andere Teil westwärts nach Tunesien.

André Mißbach
Redakteur Natur erleben!

Rastplätze Europas

Auf dieser Übersichtskarte Europas sind alle bekannten Rastplätze in Europa zusammengefasst. Mit dem Klick auf einzelne Standorte können weitere Informationen abgerufen werden und die genauen Sichtungsangaben seit 2005 nachgelesen werden. Wer selbst aktiv werden möchte, kann auf dieser Webseite Sichtungen melden oder finanzielle Unterstützung leisten.
https://www.kraniche.de/de/rastplaetze-in-europa.html